Feierabend – Auf dem Heimweg nur noch schnell mit der wiederverwendbaren Tragetasche im Supermarkt vorbeischauen. Erst an der Kasse sieht man, dass man doch wieder mehr gekauft hat, als man eigentlich wollte und greift achselzuckend zur Plastiktüte unter dem Laufband. Die eine Plastiktüte mehr oder weniger wird schon keinen Unterschied machen. Wird ja eh alles recycelt, oder?

Tatsächlich soll die Recyclingrate in Deutschland laut den Grünen nur schlappe 17,3 % des gesammelten Kunststoffes betragen. 17,3 % – das sind nur etwas mehr als 1/6. Stell dir vor, du sammelst bei dir Zuhause deine leeren Mehrwegflaschen und bringst davon nur eine von sechs zurück zum Supermarkt. Den Rest schmeißt du einfach Weg. Eine absurde Vorstellung, oder?

Die anderen 82,7 % des gesammelten Kunststoffes werden zur Energierückgewinnung verbrannt oder exportiert. Welcher Anteil des exportierten Kunststoffes letztendlich recycelt wird, ist unbekannt. Auf Grund des Plastikanteils, der also letztendlich recycelt wird, kann in Deutschland kaum von einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft gesprochen werden.

Die Problematik der Herstellung von neuem Plastik und des Verbrauchs ist zum einen die Tatsache, dass es sich beim Erdöl, aus dem das Plastik hergestellt wird, um eine endliche Ressource handelt. Die Suche danach wird deshalb immer schwieriger und aufwändiger – ganz zum Nachteil der Natur. Umstrittene Technologien, wie das sogenannte Fracking, dringen zur Gewinnung von Erdöl tief in die Erde ein und belasten sie mit Chemikalien, um der erhöhten Nachfrage gerecht zu werden.

Das zweite Problem des Plastiks ist deren unsachgemäße Beseitigung und damit in Verbindung die Tatsache, dass sich Plastik nach seiner Verwendung nicht einfach in Luft auflöst. Sprich: wenn Plastik in die Umwelt getragen wird, bleibt es dort auch. Dies verdirbt nicht nur etliche Landschaften, sondern birgt für Mensch und Tier gesundheitsgefährdende oder vielleicht sogar tödliche Folgen.

Der größte Teil des Plastiks, der unsachgemäß entsorgt wird, landet im Meer. Ganze 150 Tonnen Plastik treiben laut Greenpeace im Moment durch die Ozeane. Das liegt zum Teil daran, dass in einigen Ländern wie z.B auf den Phillipinen oder in Indonesien Abfälle durch falsche Entsorgung in Flüsse gelangen, die dann das Plastik in die Meere eintragen und es dort für Jahrhunderte durch die Weltgeschichte treibt. Um die zwei Millionen Tonnen Plastikmüll sollen laut dem „nature communications magazine“ durch Flüsse jedes Jahr in die Ozeane dieser Welt eingetragen werden.

Auch wir tragen unter Umständen einen Teil dazu bei, da etliche Tonnen unseres Plastikmülls vor allem ins asiatische Ausland exportiert werden und es dort unsachgemäß deponiert oder verbrannt wird. Allein 2018 wurden im ersten Halbjahr aus Deutschland ganze 84.000 Tonnen Plastikabfall nach Malaysia exportiert, frei nach dem Motto „aus dem Auge, aus dem Sinn“. Der Kunststoff im Meer wird durch Wellengang, Wind und durch die UV-Strahlung ganz langsam zerkleinert, bis sogenanntes sekundäres Mikroplastik entsteht. Diese Plastikpartikel sind so klein, dass Meerestiere sie aufnehmen können, ohne direkt an den Folgen zu sterben. Das Mikroplastik wird zum Beispiel vom Phytoplankton im Meer aufgenommen, welches dann über die Nahrungskette weitergegeben wird. Innerhalb der Nahrungskette nimmt die Konzentration des Mikroplastiks zu. Auch für den Menschen, der die oberste Trophiestufe ausmacht, können die mikroskopisch kleinen Plastikpartikel deshalb zu einer großen Gefahr werden.

Laut einer Studie der University auf Newcastle soll ein erwachsener Mensch über das Trinkwasser, die Luft und die Nahrung pro Woche ganze fünf Gramm Mikroplastik zu sich nehmen. Das ist in etwa so viel wie eine Kreditkarte. Eine Kreditkarte an Plastik wandert jede Woche in unseren Organismus. Welche langfristigen Folgen dies für unseren Körper hat, ist auf Grund des relativ neuen Forschungsgebietes noch nicht bekannt – aber alleine die Überlegung, pro Woche eine gesamte Kreditkarte zu sich zu nehmen, ist schon sehr besorgniserregend.

Mund auf bitte!

Auch die größeren Plastikteile im Meer stellen für Meereslebewesen ein enormes Problem dar, da viele der Lebewesen die Tüten, Folien und Kleinteile für Nahrung halten und fressen. Getrübt durch einen vollen Magen, der bis zum Rand mit Plastik gefüllt ist, verhungern die hilflosen Tiere und sterben elendig. Wenn es nicht die Aufnahme von Plastik ist, die unseren Meereslebewesen zum Verhängnis werden können, so stellen sogenannte Geisternetze eine weitere Gefahr dar. Laut dem WWF sollen diese achtlos ins Meer geworfenen oder verloren gegangenen herrenlose Fischernetze zwischen 30 und 50% des gesamten Meeresplastiks ausmachen – das sind zwischen 45 und 75 Millionen Tonnen an Netzen, die im Meer ihr Unwesen treiben. In diesen Netzen können sich Meereslebewesen wie zum Beispiel Delfine, Vögel oder Schildkröten verheddern. Die Säugetiere sind unter Wasser gefangen und gelangen nicht mehr an die Oberfläche, um Luft zu holen und ersticken.

Auch wenn die Zahlen und Fakten erschlagend und ermüdend sind, liegt es jetzt an uns, dem Plastik den Kampf anzusagen. Vermeidet Plastik in allen Lebenslagen soweit es geht und verbreitet eure Meinung und euer Wissen darüber. Selbst wenn ihr dafür von dem ein oder anderen Kollegen einen genervten Blick oder ein Augenrollen kassiert, so seid ihr doch im Recht und solltet dafür und vor allem für unseren Planeten einstehen, damit er uns, unseren Kindern und unseren Enkelkindern noch lange erhalten bleibt.