Ein Gastbeitrag von R. Bleumer, B.A. Umweltingenieurwesen:

Die Geräuschemissionen von Windrädern erzeugen Krebs und die Chinesen haben sich den Klimawandel nur ausgedacht, um der US-Amerikanischen Wirtschaft zu schädigen. Während Trump sich wohl gerade seinen Alu-Hut zurecht rückt, kann ich nur mit ungläubigem Blick auf die Schlagzeilen schauen und lese sie immer wieder. Wie ein Fremdkörper versucht mein Gehirn diese Information irgendwie aufzunehmen, doch über meinen Körper breitet sich nur eine unangenehme Gänsehaut aus, als würde er sich dagegen wehren.

Wie zur Hölle kann es sein, das manche Menschen, und dazu zählt wohlgemerkt auch einer der mächtigsten Männer der Welt, es immer noch nicht gerafft haben – entschuldigt meine Ausdrucksweise. Wie kann es sein, dass zwölfjährige schreiend durch die Straßen Deutschlands ziehen und für etwas protestieren, was auch gebildete Bürginnen und Bürger jahrelang ignoriert  haben, bis es nun nahezu zu spät ist. Wenn ihr jetzt die Augen verdreht und nicht weiter lesen wollt, weil ihr denkt, dass dies ein weiterer Text von einer Panik verbreitenden Ökotante ist, dann nur zu, klickt lieber weg, denn genau das wird dieser Text auslösen: Panik.

Der Klimawandel ist kein kleines Problem, das man schön reden kann, und mit ein, zwei, hoffentlich Profit bringenden Maßnahmen aus der Welt schaffen kann. Der Klimawandel ist lebensbedrohlich, und zwar für alle von uns. Noch ist er für uns vielleicht nicht immer direkt spürbar, aber er ist da, das wissen wir.

Die Faktenlage:

Die Temperatur ist laut IPCC bereits jetzt um 1 Grad angestiegen. Aber so ein Grad mehr im Sommer wäre doch eigentlich ziemlich geil oder? Nein; denn höhere Temperaturen bedeuten unter anderem, dass das Eis der Polkappen schmilzt. 10 Milliarden Tonnen Eis schmelzten im Juli auf Grönland – pro Tag! Über den gesamten Monat waren es 197 Gigatonnen. Würde das gesamte Eis Grönlands schmelzen, würde laut Forschern der Meeresspiegel um 7 Meter ansteigen. Das sind zwar in ferner Zukunft liegende Befürchtungen, aber dennoch sind sie real. Bereits jetzt ist der Meeresspiegel seit dem 19 Jh. um ca. 20 cm angestiegen, mit steigender Rate.

Ein höherer Meeresspiegel bedeutet eine größere Gefahr für in Küstenregionen lebenden Menschen. Blöd, dass rund 1 Milliarde Menschen in tieferliegenden Küstengebieten wohnt. Das bedeutet, dass Millionen von Menschen droht, dass sie ihre Heimat verlassen müssen, was zu erhöhten Migrationsströmen führt. Da das ja die letztes Jahre bei uns in Europa schon so wunderbar geklappt hat mit den Flüchtlingen also ein weiteres riesiges Problem. Überfüllte Flüchtlingslager und fehlende Sanitäre Versorgung – der perfekte Nährboden für Seuchen.

Nun zu den Problemen die unsere Tierwelt betrifft. Eigentlich will ich nicht zwischen Tierwelt und Menschen unterscheiden. Denn im Grunde sind wir auch nur rasierte Affen, die es irgendwann mal geschafft haben aufrecht zu gehen und sich den Planeten unter den Nagel zu reißen.

Sprechen wir also von Lebewesen. Alle Lebewesen sind in gewisser Weise voneinander abhängig: Räuber von ihrer Beute, Parasiten von ihren Wirten und Pflanzenfresser von ihren Futterpflanzen. Wenn eine Art ausstirbt kann dies also auch das Aussterben anderer Arten bedeuten, weshalb wiederum weitere Arten aussterben. Forscher spekulieren ob wir uns nicht schon mit voller Geschwindigkeit auf das sechste große Massensterben hinbewegen. Bereits jetzt sind durch unser Zutun beeindruckende Kreaturen wie Elefanten, Nashörner, Giraffen und Wale vom Aussterben bedroht. Durch Abholzungen bestehender Wälder, Monokulturen, Veränderungen der Chemie der Meere und das Einbringen invasiver Arten zerstört der Mensch die Lebensräume von Millionen von Arten und greift in ein Ökosystem ein, was eigentlich schon so perfekt war, lange bevor wir das Wort „Genmanipulation“ überhaupt kannten.

7,7 Milliarden Menschen leben in diesem Moment auf diesem Planeten, pro Minute steigt diese Zahl um 150 Menschen. Bis 2050 soll die Weltbevölkerung laut UNO auf 9,7 Milliarden Menschen ansteigen. Die folgende Grafik zeigt dabei die krasse Verteilung der Weltbevölkerung:

Bevölkerungsverteilung im Jahr 2011 auf Zahlenbasis diverser Quellen, u. a. DSW Datenreports bis 2011, Wikipedia, Roger Schulz

Wenn wir in Deutschland von einer hohen Populationsdichte sprechen, wird der Effekt für uns vielleicht in steigenden Mieten sichtbar, oder wenn Avocados im Supermarkt ausverkauft sind. Aus diesem Grund ist es aus unserem privilegierten Standpunkt extrem schwierig die Ernsthaftigkeit der Situation zu erkennen. Für Menschen in Indien, Indonesien und Nigeria zum Beispiel äußert sich die Überpopulation viel drastischer – Wasser- und Lebensmittelknappheit werden für viele Männer, Frauen und Kinder zum Todesurteil. Laut der UN sollen 2050 zwei von drei Menschen unter Wassermangel leiden.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie viele Menschen überhaupt auf diesem Planeten Platz finden können. In der Ökologie spricht man von der sogenannten „Tragfähigkeit“, die die Kapazität eines Lebensraums für eine Art beschreibt. Ist diese Zahl überschritten, reduziert sich die Anzahl der Individuen. Wissenschaftler spekulieren auf eine Tragfähigkeit zwischen einer und 12 Milliarden Menschen. Da der Lebensraum und der Mensch jedoch sehr komplex ist, kann keine eindeutige Zahl aus Obergrenze gesetzt werden. Fest steht aber, dass die größer werdende Population zu globalen Problemen führt. Denn die rapide wachsenden Entwicklungsländer erstreben einen Lebensstandard, wie wir ihn in der westlichen Welt haben. Das bedeutet, dass mehr Ressourcen verbraucht werden, mehr Produkte und damit mehr Abfälle entstehen und vor allem: mehr Plastik. Dass Plastik uns mittlerweile zum Problem geworden ist, war spätestens klar, nachdem Forscher im letzten Jahr Mikroplastik im menschlichem Kot gefunden haben. Durch die enorme Vermüllung unseres Planeten findet sich Plastik mittlerweile überall: in Meereslebewesen, in der Luft, im Meer und im Leitungswasser. Es ist Zeit, die Wirtschaft einer drastischen Wendung zu unterziehen. Bisher kann man davon leider noch nichts sehen.

Was man am Ende des Tages nicht vergessen darf ist folgendes: Der Erde ist es egal, wenn die Menschheit den Bach heruntergeht. Selbst Massenaussterben hat die Erde gesehen – schon ganze fünf Mal. Bitte verzeiht meine harsche Wortwahl aber auch das unendliche Universum juckt es herzlich wenig wenn Robbenbabys in Fischernetzen ersticken und kleine Eisbären verhungernd auf der letzten Eisscholle dahin treiben. Aber ist es uns auch egal? Ist es uns egal, wenn wir unser eigenes Todesurteil unterschreiben und nur eine weitere Spezies sind, die es eine Zeit lang auf diesem Planeten ausgehalten hat? Auch wenn wir im Universum nur ein unbedeutender Fleck Erde von Millionen sind, so ist diese Erde doch das Zentrum unseres Universums.