Der Keller ist bis zum Rand vollgestopft mit Sachen, bei denen man irgendwann mal dachte, man würde sie brauchen. Über die Jahre sammelt sich so einiges an Konsumartikeln und Gegenständen an, sodass ausmisten Wochen dauern würde – da lässt man es lieber ganz bleiben und hortet seine Sachen weiter im Keller. In etwa so sieht es bei vielen Familien in Deutschland wahrscheinlich aus. Für Minimalisten wäre dies unvorstellbar.

Minimalismus, was auch als simple living, zu deutsch ‚einfaches Leben‘, bezeichnet wird, ist ein Lebensstil, bei dem freiwillig der Konsum reduziert und auf bestimme Artikel verzichtet wird. Maßgebende Veränderungen des Lebens werden vollzogen, wie zum Beispiel die Kündigung des gut bezahlten, aber nervenaufreibenden und zeitaufwendigen Jobs, um ein selbstbestimmteres, einfacheres Leben genießen zu können. Der persönliche Besitz wird aufs Nötigste beschränkt und zu viele Güter werden als hinderlich angesehen.

Im Zuge der Klimaerwärmung ist auch Minimalismus ein Lebensstil, der in den Fokus zahlreicher Nachhaltigkeitsdebatten rückt. Auf der Suche nach nachhaltigen Lösungen stellt sich die Frage, wie umweltfreundlich sich der Minimalismus umsetzen lässt.

2016 gaben die Deutschen insgesamt rund 600 Milliarden Euro für privaten Konsum aus. Jeder Europäer soll etwa 10.000 Gegenstände besitzen. Viele davon sind extrem kurzlebig oder werden kaum benutzt. Ein Großteil der Kleider und Schuhe, die sich anhäufen, sind häufig billige Produkte aus Entwicklungsländern, die, Hauptsache günstig, ohne großen Hintergedanken beim letzten Schlussverkauf erworben wurden. Derartiges Konsumverhalten, das die meisten Leute an den Tag legen, ist schlecht für die Umwelt, da durch Wegwerfprodukte nicht nur enorme Mengen Abfall entstehen, sondern für die Herstellung Ressourcen verschwendet werden. Dadurch, dass Minimalisten ihren persönlichen Besitz minimieren und deutlich weniger konsumieren, sind diese in puncto Umweltfreundlichkeit dem Großteil der Konsumgesellschaft deutlich überlegen. Der Minimalismus ist zwar per se keine ökologische Bewegung, bringt aber durch die Verhaltensmuster ökologische Vorteile. Dazu kommt, dass die Beschränkung auf das Notwendigste mit der Erkenntnis einhergeht, dass man eigentlich nicht viel benötigt, um glücklich zu sein. Durch die Abwendung vom Konsum entsteht Raum für neue Gedanken und eine Wertschätzung für das, was man bereits hat und was häufig direkt vor einem liegt. Viele Minimalisten hegen deshalb eine besondere Wertschätzung für die Natur und versuchen diese umso mehr zu schützen.

Der Weg zum Minimalismus hegt jedoch die Gefahr, nicht besonders nachhaltig zu sein, da viele der Gegenstände, die man sich zuvor gekauft hat und für dessen Herstellung Ressourcen verwendet wurden, einfach aussortiert und weggeschmissen werden und sie damit ihre Bestimmung verfehlen. Werden die Gegenstände jedoch verschenkt oder an Menschen gespendet, die die Dinge nutzen, sieht der ökologische Aspekt deutlich positiver aus. Bedenklich ist außerdem, ob der minimalistische Lebensstil nur kurzzeitig verfolgt wird und dann nach ein paar Jahren doch wieder alle zuvor aussortierten Gegenstände neu angeschafft werden müssen. In diesem Fall ist der Minimalismus natürlich kein besonders nachhaltiger Lebensstil.

Damit Minimalismus wirklich nachhaltig ist, darf der Lebensstil nicht nur bedeuten, dass man ein paar Klamotten aussortiert und auf gewisse Gegenstände verzichtet, damit mehr Geld für den nächsten Sommerurlaub nach Übersee übrig ist. Stattdessen muss das Handeln genau durchdacht werden. Wenn dies jedoch geschieht, ist der Minimalismus ein nachhaltiger Lebensstil. Besonders weit verbreitet und massentauglich ist die Bewegung bisher leider nicht, da es für die meisten Menschen extrem schwierig ist, sich aus ihrer täglichen Routine zu befreien. Auch die Beeinflussung des Konsumverhaltens durch Werbung erschwert die Sache erheblich.

Ein minimalistischer Lebensstil ist, wenn er langfristig und gut durchdacht durchgezogen wird, also eine sinnvolle und nachhaltige Strategie. Um sein Leben minimalistisch zu gestalten ist es vor allem wichtig, sich anfangs nicht zu viel vorzunehmen, sondern den Weg Schritt für Schritt zu gestalten, so dass man sich an den Prozess herantasten kann. Schon kleine Veränderungen, wie das Hinterfragen und der folgende Verzicht beim Kauf von Gegenständen, können Wirkung zeigen. So wird die Verringerung des eigenen Konsums und der Besitztümer mit der Zeit sehr viel einfacher und für jeden machbar. Das Wichtigste ist, einfach anzufangen und im laufenden Prozess seine Ansprüche immer weiter zu erhöhen, sodass die Steigerung nicht als Belastung aufgenommen wird. Denn irgendwo kann jeder beginnen – wenn anfangs auch ganz minimal.